Ein kurzer Einstieg in DDMRP

In den letzten Monaten kam einige Bewegung in das Thema „demand driven mrp“ (bedarfsgesteuerte Materialbedarfsplanung). SAP hat mitgeteilt, dass ihre Implementierung von DDMRP in S/4HANA® vom Demand Driven Institute zertifiziert worden ist. Doch nicht nur SAP, sondern auch andere Anbieter, wie z.B. DynaSys, bauen in ihren Planungslösungen bzw. SAP Add-Ons diese neue Planungsphilosophie ein. Dieser Blog-Artikel soll das neue Vorgehen genauer darstellen und einen Überblick über die aktuellen News zu dem Thema geben.

DDMRP nutzt Ampelfarben
©marog-pixcells/Fotolia

Entstehung von DDMRP

DDMRP wurde 2011 in einer Neuauflage des Buches “Orlicky’s Materials Requirements Planning” von den Autoren Carol Ptak und Chad Smith vorgestellt und wird heute vom Demand Driven Institue verbreitet. Das Konzept des DDMRP erhebt für sich den Anspruch, durch die Anwendung von fünf Bausteinen die „Nervosität“ traditioneller MRP-Systeme und den sog. „Bullwhip-Effekt“ zu beseitigen. Als Ergebnis werden dadurch erhebliche Einsparpotenziale durch geringere Bestände und reduzierte Säumniskosten in Aussicht gestellt. Die 5 Bausteine des DDMRP sind:

  1. strategische Bestandspositionierung,
  2. Pufferprofile und -ebenen,
  3. dynamische Anpassung,
  4. bedarfsbasierte Planung und
  5. sichtbare und gemeinsame Ausführung.

Bausteine des DDMRPs

strategische Bestandspositionierung

Eines der Grundprinzipien des DDMRP stellt die strategische Bestandspositionierung dar. Dabei wird die Supply Chain aufgebrochen, und man bildet kleine Zwischenlager möglichst nah am Ort des Bedarfes. Diese sollen das Liefernetz beruhigen, indem sie es dem Planer ermöglichen, Versorgungsunterbrechungen oder kurzfristige Bedarfsschwankungen abzufangen und so einen Bullwhip-Effekt zu vermeiden.

Pufferprofile und -ebenen

In den Lagern wird das notwendige Bestandsniveau durch die Pufferprofile und -ebenen geregelt. Die Profile enthalten die notwendigen Stammdaten für die Berechnung der Pufferebenen für eine Gruppe von Artikeln. Dabei werden Materialien mit gleichen oder ähnlichen logistischen Kennzahlen (z.B. Wiederbeschaffungszeit, Vorlaufzeit oder Verbrauchsmuster) zusammengefasst, um den Pflegeaufwand zu reduzieren. Als Pufferebene gilt im DDMRP eine Zone, die dem Planer den Status des Lagers signalisiert: Grün signalisiert „alles o.k.“, in der gelben Zone sollte nachbestellt bzw. -produziert werden, und bei Rot besteht unmittelbarer Handlungsbedarf, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

dynamische Anpassung

Da sich die Eingangsgrößen der Pufferberechnung immer wieder ändern können, regelt das DDMRP eine dynamische Anpassung der Pufferebenen. Diese Dynamik kann sich zum Beispiel darin äußern, dass sich die Charakteristik eines Materials ändert und es folglich einem anderen Pufferprofil zugeordnet werden muss. Oder der durchschnittliche tägliche Bedarf ändert sich und die Bestandshöhe muss innerhalb eines Profils neu berechnet werden.

bedarfsbasierte Planung

Jeden Tag wird der Disponent nun die bedarfsbasierte Planung durchführen. Dabei berechnet das Planungssystem für jedes Material eine verfügbare Menge. Diese ergibt sich aus der Summe des vorrätigen Bestands sowie der geplanten Wareneingänge minus der Kundenaufträge (bzw. Der Bedarfe) für diesen Tag. Wenn sich diese verfügbare Menge in der gelben Zone befindet, werden ein Produktionsauftrag oder eine Bestellung ausgelöst. Die Menge entspricht dabei der Differenz vom Maximum der Grünen Pufferebene und der an diesem Tag verfügbaren Menge.

sichtbare und gemeinsame Ausführung

Die Darstellung der Planungssituation in Pufferebenen soll zu einer sichtbaren und gemeinsamen Ausführung beitragen. Durch die klare farbliche Einteilung kann jeder Lieferant oder jeder Produktionsbereich erkennen, wie es um die Bestandssituation bestellt ist. Ein Material dessen aktuell verfügbarer Bestand in der roten Zone liegt, besitzt zum Zeitpunkt der Auswertung die höchste Priorität. Ergänzt wird diese visuelle Anzeige um Benachrichtigungen, um auf besonders kritische Materialien aufmerksam zu machen. Letztendlich ist es wichtiger, dass es nie zu einer Stock-out Situation kommt, als dass ein Lieferant zum ursprünglich bestellten Termin liefert. Durch die hohe Transparenz und die effektive Visualisierung will DDMRP genau dazu beitragen.

Fazit

In dem Konzept des DDMRP werden Elemente des klassischen Material Requirements Planning mit Elementen des Lean Management verknüpft. Dadurch soll eine ruhigere Supply Chain Planung mit geringen Bestandskosten und hoher Materialverfügbarkeit erreicht werden. Als Gesamtkonzept ist dieser Ansatz zunächst schlüssig und die Vorteile liegen auf der Hand. Allerdings sind die einzelnen Elemente, wie die Arbeit mit dynamischen Sicherheitsbeständen, nicht neu. Es kommt darauf an, wie die Kombination der genannten Elemente in den einzelnen Softwaresystemen, wie z.B. SAP, umgesetzt wird. Letztendlich entscheidet die Akzeptanz dieser Philosophie durch die Anwender über die zukünftige Verbreitung und den Erfolg des Konzeptes.

Links

Eine gute Quelle für weitere Informationen zu dem Thema ist das Demand Driven Institute, zu erreichen hier:  https://www.demanddriveninstitute.com/

Am 20. November 2017 hat SAP in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass sie in S4/HANA das Konzept des DDMRP unterstützen: SAP PressRelease

Nur einen Tag später hat DynaSys ebenfalls veröffentlicht, dass ihre Planungslösung DSCP vom Demand Driven Institute als DDMRP konform zertifiziert wurde: DynaSys PressRelease

In meinem Buch können Sie die Grundlagen der Produktionsplanung im ERP System von SAP nachvollziehen: Schnelleinstieg in die SAP®-Produktionsprozesse (PP)